Tatiana de Weber ist Hochzeitsplanerin. Ein feinfühliger Beruf, vor dem ich meinen Hut ziehe. Sie steht dem Hochzeitspaar mit Rat und Tat zur Seite, vom Antrag bis nach dem Ja-Wort, und das rund um die Uhr. Ich traf Tatiana in einem ihrer Kölner Lieblingsrestaurants zum Interview…

1. Tatiana, Dein Deutsch ist brillant, aber Du hast ausländische Wurzeln?!

Oh, vielen Dank. Und ja, ich komme aus einer ganz weit entfernten und warmen Ecke…

Ich bin in Brasilien geboren aber meine Eltern haben sich, obwohl die ganze Familie aus Italien kommt, für eine deutsche Schule entschieden, und so besuchte ich sie in São Paulo 13 Jahren lang und lernte die Sprache lieben. Verrückt, oder? Übrigens ging Königin Silvia von Schweden als junges Mädchen auf dieselbe Schule – ihre Mutter war auch Brasilianerin. Bei einem ihrer späteren Staatsbesuche habe ich sogar für sie auf unserem Schulhof getanzt; da war ich elf Jahre alt. Sie kam ohne Krone, ohne Kutsche, weit und breit kein einziges Pferd. Eine ziemliche Enttäuschung für uns Mädchen, aber das ist eine andere Geschichte.

Für meine Eltern war es wichtig, die Welt mit allen ihren Möglichkeiten für mich offen zu halten und das war richtig so. In die deutsche Sprache habe ich mich schon mit fünf Jahren verliebt und 15 Jahre später dann in meinem Mann… Und er ist Deutscher!

2. Du machst Hochtzeitsplanungen schon eine ganze Weile. War dies immer Dein Traumberuf?

Aus meiner Liebe zur deutschen Sprache habe ich als erstes Germanistik und Medienwissenschaft in Freiburg studiert und später in Verlagen und beim Fernsehen gearbeitet. Vielleicht war es aber schon immer mein Traumberuf, gut möglich…

Ich bin in einem Haus voller Zeichnungen, Farben, Stoffmuster, Design und Zeitschriften groß geworden. Meine Mama ist Architektin und von Klein an habe ich diese fantasievolle und kreative Welt sehr bewundert und geliebt. Schon lange vor Pinterest und Co. habe ich hautnah erlebt wie sie 3D-Moodboards hergestellt und fotografiert hat, um ihre Ideen den Kunden plastisch und realitätsgetreu näher zu bringen. Es wurde geschnitten, geklebt, getackert, gemalt – alles mit so viel Liebe zum Detail!
Eine herrliche Zeit, in der man mit den eigenen Händen und ohne die Hilfe von Programmen oder Computern ausprobiert und sich ausgetobt hat. Für mich waren es faszinierende Jahren, die mich sehr geprägt haben.

Hinzu kommt, dass ein Fest für mich schon immer der Anlass war, mich kreativ auszuleben und daraus unvergessliche Momente zu zaubern. Zunächst habe ich nur im privaten Rahmen, neben meinem damaligen Beruf als Journalistin und Redakteurin, an der Umsetzung meiner Ideen gebastelt. Ich wollte, dass meine Gäste schöne Momente erleben, an die sie sich im Nachhinein erinnern und erfreuen können. Als dann Freunde fragten, ob ich auch ihr Fest organisieren könnte und dann Bekannte und Arbeitskollegen, entstand die Idee, mich mit meiner großen Leidenschaft selbstständig zu machen. Und so fügt sich alles zusammen und das Schicksal nahm seinen Lauf.

3. Eine Hochzeit zu begleiten ist äußerst zeitaufwändig. Wie viele Hochzeiten betreust Du im Jahr, und wie darf ich mir Deinen Aufwand vorstellen?

Das Brautpaar und ich lernen uns bei einem persönlichen und lockeren Gespräch kennen. Die Geschichte des Brautpaares und deren Vorstellungen sind für mich der Ausgangspunkt meiner Arbeit. Die Chemie zwischen uns muss stimmen und das Brautpaar muss sich eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit mit mir vorstellen können.
Auf Basis der ersten Gespräche sammle ich Ideen und starte mit den Recherchen, um dem Paar ein erstes Grobkonzept mit Moodboard und erste Skizzen für ihren Traumtag zu präsentieren.

Sobald wir uns über die Richtung einig sind, und ich Begeisterung in den Augen meines Paares sehe, geht es an die Detailarbeit. Man muss erstmal gemeinsam genaue Vorstellungen und Wünsche herausarbeiten, da der Tag der Tage für das Brautpaar noch “weit weg ist”. Häufig beginnen die Planungen schon ein Jahr vor dem anvisierten Termin. Das heißt, wir erleben eine intensive Planungszeit miteinander, in der ich ganz nah beim Paar bin. Eine Hochzeit ist ja kein einfaches Event, sondern eine einzigartige Herzensangelegenheit.

Die meisten Brautpaare möchten eine “Rundum-Sorglos-Betreuung” für ihre Hochzeit und buchen mich für eine Komplettplanung. Man kann natürlich auch Teile ausklammern und selbst übernehmen. Das spreche ich individuell und flexibel mit den Paaren ab. Ich biete aber auch gerne ganz unkompliziert nur die Übernahme von Teilbereichen an, wie z.B. die Dekoration oder die Suche nach einer geeigneten Location.

Da ich meine Passion zum Beruf gemacht habe, liegt mir in erster Linie ein glückliches Brautpaar am Herzen. Daher macht es mir auch große Freude, eine selbstorganisierte Hochzeit nochmal auf “Herz und Nieren” zu prüfen. So kann das Brautpaar sicher sein an alles gedacht zu haben. Dafür biete ich meine Dienste beratend auf Stundenbasis an. Diesen Service haben bereits viele Paare begeistert genutzt.

4. Du hast das Know-How, das vielen Paaren fehlt. Wird man als Planerin während der Vorbereitungen zur besten Freundin auf Zeit?

Das ist ganz unterschiedlich von Braut zu Braut. Aber Fakt ist, dass es in der Tat zwischen dem Brautpaar und dem Hochzeitsplaner funken muss! Das Paar muss das Gefühl haben, dass sie dem Hochzeitsplaner auch wirklich den schönsten Tag ihres Lebens anvertrauen können. Auf das Brautpaar kommt eine überwältigende Anzahl an Möglichkeiten, Eindrücken, Auswahlen und Entscheidungen zu – ich helfe dabei sie zu sammeln, zu ordnen und sie dann letztendlich umzusetzen. Dabei bin ich kreative Beraterin und Dekorateurin für Blumenschmuck, Papeterie-Elemente, Tischdeko, genauso wie effizient planende und kalkulierende Projektmanagerin, die stets im Hintergrund bleibt. Es ist eine intensive Arbeit und neben all den organisatorischen Dingen ist auf jeden Fall viel psychologisches Geschick nötig. Dass man als Hochzeitsplanerin ein wenig Seelsorgerin ist, das habe ich schnell gelernt. Es bedarf viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl das Brautpaar, die Familie und die Freunde zu einem harmonischen unvergesslichen Fest zusammenzubringen.

5. Ich sehe bei Dir einen großen Ideenreichtum. Wie gehst Du mit Vorschlägen der Paare um und wie lässt Du Deine einfließen?

Mit meinen Konzepten möchte ich Fantasie beflügeln, Träume wecken, inspirieren. Die Paare haben dabei selbstverständlich alle Möglichkeiten für eigene Interpretationen und Ideen. Hier geht es nicht um Selbstverwirklichung, sondern um die perfekte Umsetzung des Traumtages meiner Brautpaare. Meine Hauptaufgabe als Hochzeitsplanerin ist es alle Ideen, Wünsche, Vorstellungen, Budgets, zeitliche Rahmenbedingungen, etc. zu einem stimmigen Gesamtkonzept zu vereinen. Ein guter Hochzeitsplaner sollte dem Paar keine Ideen und Konzepte “aufschwatzen” sondern herausfinden, was zu ihnen passt und was sie sich wünschen. In eine gute Hochzeitsplanung kann sich das Paar mit eigenen Vorstellungen einbringen und mitgestalten. Am Ende sollte eine individuelle Planung entstehen, die zu dem Paar und natürlich ganz besonders wichtig – auch ins Budget – passt.

 

Es bedarf viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl das Brautpaar, die Familie und die Freunde zu einem harmonischen unvergesslichen Fest zusammenzubringen.
Tatiana de Weber, Hochzeitsplanerin

 

6. Wo findest Du Inspirationen für Deine Arbeit und wie schwierig ist es, innovative Ideen zu finden?

Anregung hole ich mir natürlich überall dort, wo es schöne Dinge zu sehen gibt. In Magazinen, auf Messen, während meiner Reisen, in Shops. Meine größte Quelle der Inspiration sind allerdings meine Kunden selbst. Ihre Geschichte und ihre Wünsche bringen mich auf die schönsten Ideen. Sind die erstmal in meinem Kopf, gibt es kein Halten mehr. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ich mache Vieles selbst und in Handarbeit. Da wird geklebt, gemalt und gebastelt bis es meinen Vorstellungen entspricht und ich überzeugt bin, dass es meine Kunden gefällt. Diese ausgelassenen kreativen Momente liebe ich sehr. Kreativität braucht Freiraum, Gelassenheit und Übung. Deshalb finde ich es sehr wichtig von Zeit zu Zeit diese ganzen Medienkanäle abzuschalten, sich von den Millionen Bildern in Instagram und Co. zu befreien und auf neue und vor allem eigene Ideen und Konzepte zu kommen. Oft fehlt der Mut dazu. Aber nur so entstehen neue Sachen. Wie Steven Kotler schön schrieb: “Kreativität ist der Akt, aus dem Nichts etwas zu kreieren. Das ist nichts für Furchtsame”.

7. Jede Branche hat ihren Trend, die eine kurz- die andere langlebig. Welchen Trend verfolgt die Hochzeitsbranche?

Mein Lieblingstrend für Hochzeiten: Lässig und ungezwungen feiern! Weg von unnötigen Formalitäten, hin zu entspannter Stimmung mit natürlichen Akzenten. Das Brautpaar lässt sein Lebensgefühl mit in die Hochzeitsfeier einfließen. Persönliche Liebesgeschichten werden erzählt und Styles ausgelebt, ganz individuell. Es ist immer wieder erfrischend, wenn Paare sich für ihre persönliche Lieblingsfarben und Lieblingsblumen entscheiden. Das ist der einzig wahre Trend: sich selbst treu bleiben und seinem Herz folgen!

8. In Deinem Leben hast Du schon viele Kontinente bereist. Betreust Du auch Hochzeiten im Ausland?

Ja, das ist ein ganz neues Kapitel in meiner Agentur und darüber freue ich mich riesig! Es hat alles mit einem Auftrag eines in New York lebenden deutschen Paares angefangen, das in den Everglades heiraten wollte. Danach kam Portugal, Spanien und dieses Jahr erneut Amerika, Holland und Italien.

Der Wunsch nach der ganz besonderen Zeremonie an ungewöhnlichen Orten hat einen wunderbaren Trend ausgelöst, der sich großer Beliebtheit erfreut: die Destination Weddings. Wer diesen Rahmen für sein Ja-Wort wählt, macht sich selbst und allen Hochzeitsgästen ein großes Geschenk: unvergessliche Romantik an einem der schönsten Orte der Welt. Dabei gewinnt man neben “dem einen Moment” noch eine ganze Reihe unvergesslicher Eindrücke hinzu.

Aber damit der unvergesslichste Tag im Leben gelingt, bedarf es viel präziser Planung und Vorbereitung. Vor allem vor einer Trauung im Ausland müssen zahlreiche kleine und große Puzzleteile perfekt zusammengefügt werden. Da gibt es einige bürokratische Hürden, die mit professioneller Unterstützung zu überwinden sind. Vor allem die sprachliche Barriere, könnte zu Problemen führen. Flexibel und geduldig bleiben sind ganz wichtige Eigenschaften bei diesem nicht immer geraden Weg. Dabei helfen meine brasilianischen Wurzeln sehr, da wir Meister in der Improvisation sind und immer eine Lösung parat haben. Für das Grand Finale lohnt es sich auf jeden Fall.

9. Als DJ erlebe ich auf einer Hochzeit viele schöne Momente. Dein schönster Moment?!

Schwer zu sagen, es sind tatsächlich so viele! Einer davon: der Moment, in dem die Braut zum Altar schreitet, ist einfach magisch! Aber noch magischer ist die Reaktion des Bräutigams, der zum ersten Male seine Braut sieht! Wenn die Hochzeitszeremonie beginnt sind alle Augen erstmals auf die Braut gerichtet. Doch schaut man zu diesem Zeitpunkt kurz in die andere Richtung, erlebt man einen fast noch zauberhafteren Moment: ein stolzer Bräutigam, der strahlt und staunt. Dieser Blick voller Zuneigung und tiefer Liebe ist einfach unbeschreiblich und bereitet mir immer wieder Gänsehaut. Aber generell ist für mich Glück, wenn das Finale – also die Hochzeit – perfekt verläuft und wirklich alle den Tag in vollen Zügen genießen. Wenn sich am Ende die kleinen Mosaiksteinchen zu dem großen Ganzen zusammenfügen, fühlt sich das einfach großartig an und macht mich jedes Mal genau so glücklich wie meine Brautpaare.

10. Abschließend interessiert mich natürlich Dein Musikgeschmack. Was hörst Du aktuell, was sind Deine Evergreens?

Ich bin mit Bossa Nova groß geworden, zu Hause lief er Tag und Nacht, ununterbrochen. Diese melancholische Mischung aus Jazz und Samba, die sanften Klänge, der schwebende, fast geflüsterte, poetische Gesang haben mein Herz  im Sturm erobert. Antônio Carlos Jobim (“The Girl From Ipanema”), Baden Powell, João Gilberto und so viele anderen begleiten mich bis heute. Dieser seltsame, sehnsüchtige Zustand, in dem Bossa Nova mich jedes Mal versetzt, und der sich so schlecht erklären lässt, geben mir einfach das gute Gefühl, am richtigen Ort zu sein, wenn man so will: zu Hause. Und das ist schön!

Ich danke Dir für dieses Interview!

Über Tatiana de Weber, Hochzeitsplanerin

Tatiana de Weber wurde am 16. Februar 1973 in São Paulo, Brasilien geboren. Nach ihrem Studium der Germanistik und Medienwissenschaften in Freiburg und ihrer langjährigen Erfahrung in der Kommunikations- und Eventbranche gründete sie ihre Agentur und folgte ihrem Herzen direkt zu ihrem Traumberuf: kreative Projekte immer mit einem Augenmerk auf all die kleinen, bezaubernden Details zu verwirklichen. Zusammen mit ihrem Mann und den drei Söhnen lebt sie in Köln ganz nach ihrem Lebensmotto ‘Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Schönen!’.

Über Mario Januskevicius, DJ und Interviewer

Mario Januskevicius wurde 1980 in Neuss bei Düsseldorf geboren. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter beim Kölner TV-Sender VIVA blieb er Medien, Musik und Events treu. Nach Zwischenstopps bei Red Bull, Lucky Strike und RTL konzentriert er sich auf das, was er besonders kann: Disc Jockey, Kundenbetreuung, Webdesign. Mario zählt sich zu den professionellsten DJs der Hochzeitsbranche und ist Mitbegründer des Meetups “Wedding Talk”, das ein Netzwerk aus hochkarätigen Dienstleistern vereint. Seit zwei Jahrzehnten sorgt er auf Hochzeiten und Firmenveranstaltungen für den musikalischen Kick. In seiner Freizeit schwingt er den Rasenmäher, dreht Schallplatten und spielt Badminton.